Willkommen auf der Homepage der Leopold-Ziegler-Stiftung

Leopold Ziegler (1881-1958) war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einer der anerkanntesten Philosophen im deutschen Sprachraum. So erhielt er 1929 den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt, als dritter nach Stefan George und Albert Schweitzer, ein Jahr vor Sigmund Freud. Er war wohl der einzige Philosoph, der vor dem deutschen Reichstag hat sprechen dürfen (1932). Zieglers Werk, aufgefächert in mehr als 20 Büchern, reicht vom „Mythos atheos“ und den „Mysterien der Gottlosen“ im Gestaltwandel der Götter (1920 u.ö.) bis zu einem Christentum, das sich entschieden allem Konfessionellen versagt, und das er in dem großen Werk Menschwerdung (1948) dargestellt hat. Dazwischen, aber nicht nur zeitlich im Zentrum seines Schaffens, steht das berühmte Werk Überlieferung (1936 u.ö.); es gründet auf der Gewißheit, daß alle Religionen “wahr” sind und einer Uroffenbarung entstammen, die wir nach der Epoche der Rechthaberei der in Konfessionen zerrissenen Glaubensgemeinschaften wieder auffinden müssen. Dabei hat Ziegler, und zwar vor Heidegger, das griechische Wort für Wahrheit, aletheia, in die Mitte seines Denkens gestellt; er übersetzt es als „das Unvergeßliche, das was nicht aus dem Blick kommen darf“. Jedoch weiß er, daß die Geschichte des Denkens natürlich zur Hälfte eine „Geschichte der Vergessenheit“ ist. Neue Erinnerung zu schaffen ist also die Aufgabe.

Ziegler ist es nicht anders ergangen als den meisten Autoren seiner Generation. Durch das zwölfjährige Schweigen, das ihnen unter Hitler auferlegt war, und den folgenden Neuanfang unter völlig veränderten Vorzeichen wurde ihre Wirkung jäh unterbrochen, sehr zum Schaden einer Tradition, von der auf diese Weise große Teile verloren gingen, und die wir, wenn auch vielfach nichts davon ahnend, bis heute vermissen. Der Verlag Königshausen & Neumann legt die wichtigsten Werke Zieglers neu auf; aus dem Nachlaß wird noch Unbekanntes ans Licht kommen.